Für Eltern
Sprache wächst mit

Meilensteine der Sprachentwicklung
Die Altersangaben sind Richtwerte. Manche Kinder sind früher dran, manche später, und das ist meistens in Ordnung. Wichtig ist, dass die Entwicklung voranschreitet. Bei mehrsprachigen Kindern betrachtet man alle Sprachen zusammen.
Fällt Ihnen etwas auf? Unter „Wann zur Logopädie?“ finden Sie Anzeichen, bei denen eine Abklärung sinnvoll ist.
Meilenstein-Übersicht zum Ausdrucken · In Vorbereitung
Sprache fördern im Alltag
Sie brauchen kein Spezialmaterial. Die beste Sprachförderung passiert nebenbei: beim Anziehen, Kochen, Spazierengehen und Vorlesen.
1. Im Gespräch bleiben
Sprechen Sie über das, was Ihr Kind gerade interessiert. Folgen Sie seinem Blick und benennen Sie, was es sieht. Begleiten Sie Alltagshandlungen mit Sprache: „Jetzt schneide ich die Gurke. Die ist grün und lang.“ Sprechen Sie in kurzen, klaren Sätzen und schauen Sie Ihr Kind dabei an.
2. Zeit lassen
Machen Sie Pausen und warten Sie ab. Kinder brauchen Zeit, um ihre Gedanken in Worte zu fassen. Ergänzen Sie nicht sofort und sprechen Sie nicht für Ihr Kind.
3. Richtig vormachen statt verbessern
Wenn Ihr Kind etwas falsch sagt, wiederholen Sie es einfach richtig und freundlich, ohne es zu korrigieren. So hört es die richtige Form, ohne dass das Sprechen zur Prüfung wird.
- Kind:
- „Da Tuh!“
- Sie:
- „Ja, da ist eine Kuh! Die Kuh frisst Gras.“
Noch besser: Erweitern Sie den Satz ein kleines Stück.
- Kind:
- „Auto!“
- Sie:
- „Ein rotes Auto. Das Auto fährt schnell.“
Bitte vermeiden: „Sag das noch mal richtig.“ Solche Aufforderungen machen Kindern das Sprechen schwer.
4. Jeden Tag vorlesen
Bilderbücher sind eine der besten Sprachquellen. Schon im ersten Lebensjahr können Sie gemeinsam Bilder anschauen und benennen. Lesen Sie Lieblingsbücher ruhig immer wieder: Wiederholung hilft beim Lernen neuer Wörter.
5. Dialogisches Lesen: gemeinsam erzählen
Beim dialogischen Lesen wird Ihr Kind zum Mit-Erzähler. So geht es:
- Fragen stellen, die mehr als Ja oder Nein brauchen: „Was macht der Hase da?“
- Ergänzen lassen: „Der Hase hüpft über den ...“
- Antworten aufgreifen und erweitern: „Genau, über den Zaun. Über den hohen Holzzaun.“
- Erinnern lassen: „Weißt du noch, wohin der Fuchs gelaufen ist?“
- Bezug zum eigenen Leben: „Warst du auch schon mal auf einem Bauernhof?“
Lassen Sie Ihr Kind das Tempo bestimmen. Es darf blättern, zurückgehen und Fragen stellen.
6. Singen, reimen, klatschen
Lieder, Reime und Fingerspiele trainieren ganz nebenbei das Hören: Ihr Kind lernt Silben, Reime und den Rhythmus der Sprache kennen. Klatschen Sie gemeinsam Namen in Silben („Pi-pa-po“) oder suchen Sie Reimwörter („Maus, Haus, Laus“).
7. Spielen und so tun als ob
Rollenspiele, Kaufladen, Puppen und Kuscheltiere laden zum Erzählen ein. Gesellschaftsspiele üben Abwarten, Zuhören und Erklären.
8. Bildschirmzeit bewusst gestalten
Bildschirme ersetzen kein Gespräch. Fachgesellschaften empfehlen:
- Unter 3 Jahren: möglichst gar keine Bildschirmmedien.
- 3 bis 6 Jahre: höchstens 30 Minuten am Tag.
- 6 bis 9 Jahre: höchstens 30 bis 45 Minuten am Tag, Hausaufgaben nicht mitgerechnet.
Das gilt auch für die Pipapo-Spiele. Am meisten bringen sie, wenn Sie gemeinsam spielen und darüber sprechen. Schalten Sie Fernseher im Hintergrund aus und lassen Sie Bildschirme bei Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen aus.
9. Schnuller nur zum Einschlafen
Ein Schnuller im Mund macht das Plappern schwer. Am besten tagsüber beim Spielen und Sprechen weglassen.
10. Mehrsprachig aufwachsen
Sprechen Sie mit Ihrem Kind die Sprache, in der Sie sich am wohlsten fühlen und in der Sie Gefühle ausdrücken können. Vielfältiger, lebendiger Kontakt mit jeder Sprache ist wichtiger als feste Regeln.
Wann sollten Sie genauer hinschauen?
Viele Unterschiede in der Sprachentwicklung sind harmlos. Die folgenden Anzeichen sind ein guter Grund, mit Ihrer Kinderarztpraxis zu sprechen. Erster Schritt ist immer die ärztliche Abklärung, auch des Gehörs.
Bitte zeitnah ärztlich abklären, in jedem Alter
- Ihr Kind reagiert nicht oder kaum auf Geräusche oder Ansprache.
- Ihr Kind verliert Fähigkeiten, die es schon hatte, zum Beispiel Wörter oder Blickkontakt.
- Sie haben ein ungutes Gefühl. Ihr Eindruck als Eltern zählt.
Anzeichen nach Alter
- Mit etwa 12 Monaten: kein Lallen in Silbenketten, keine Gesten wie Zeigen oder Winken, keine Reaktion auf den eigenen Namen.
- Mit etwa 18 Monaten: noch keine ersten Wörter, versteht einfache Aufforderungen im Alltag nicht.
- Mit 2 Jahren: weniger als 50 Wörter oder noch keine Verbindungen aus zwei Wörtern.
- Mit 3 Jahren: spricht kaum in Sätzen, ist auch für die Familie schwer zu verstehen oder versteht einfache Fragen nicht.
- Mit 4 Jahren: ist für fremde Personen überwiegend nicht zu verstehen, bildet Sätze ohne Verb oder kann kaum von Erlebnissen erzählen.
- Mit 5 Jahren, spätestens vor der Einschulung: ersetzt oder verschluckt noch regelmäßig Laute, lispelt, hat große Mühe beim Erzählen oder beim Verstehen von Aufträgen.
Weitere Anzeichen, unabhängig vom Alter
- Redefluss: Ihr Kind wiederholt häufig Laute oder Silben („B-b-b-ball“), dehnt Laute („Mmmmama“) oder bleibt beim Sprechen hängen, wirkt dabei angestrengt oder vermeidet das Sprechen. Sie müssen nicht abwarten, ob sich das auswächst.
- Stimme: Ihr Kind ist über mehrere Wochen heiser, ohne erkältet zu sein.
- Ohren: Ihr Kind hat häufig Mittelohrentzündungen oder Flüssigkeit hinter dem Trommelfell. Das kann das Hören zeitweise verschlechtern.
- Mund: Der Mund steht oft offen, die Zunge liegt zwischen den Zähnen, oder es gibt Auffälligkeiten beim Kauen und Schlucken.
- Wohlbefinden: Ihr Kind leidet unter dem Sprechen, wird gehänselt oder zieht sich zurück.
- Mehrsprachig: Die Schwierigkeiten zeigen sich in allen Sprachen Ihres Kindes, nicht nur im Deutschen.
So läuft es ab: Von der Sorge zur Therapie
Beobachten
Notieren Sie, was Ihnen auffällt und seit wann. Ein kurzes Video aus dem Alltag kann im Gespräch helfen.
Kinderarztpraxis
Sprechen Sie Ihre Beobachtungen bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an (U7 im 21. bis 24. Lebensmonat, U7a im 34. bis 36., U8 im 46. bis 48., U9 im 60. bis 64. Lebensmonat) oder vereinbaren Sie einen eigenen Termin.
Hören überprüfen
Bevor eine Sprachtherapie beginnt, sollte das Gehör untersucht werden, zum Beispiel in einer HNO- oder pädaudiologischen Praxis.
Verordnung
Ist eine Therapie medizinisch notwendig, stellt die Ärztin oder der Arzt eine Heilmittelverordnung für Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie aus. Verordnen können zum Beispiel Kinder- und Jugendarztpraxen, Hausarztpraxen, HNO-Praxen sowie Fachärztinnen und Fachärzte für Phoniatrie und Pädaudiologie. Bei komplexeren Fragen ist manchmal eine Überweisung an ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) sinnvoll.
Praxis finden
Kümmern Sie sich früh um einen Platz, denn viele Praxen haben Wartelisten. Die Behandlung muss in der Regel innerhalb von 28 Tagen nach Ausstellung der Verordnung beginnen. Klappt das nicht, sprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis. Bei der Suche helfen die Verzeichnisse der Berufsverbände, etwa des Deutschen Bundesverbands für Logopädie (dbl-ev.de) und des Deutschen Bundesverbands für akademische Sprachtherapie und Logopädie (dbs-ev.de).
Therapie
Zu Beginn lernt die Therapeutin oder der Therapeut Ihr Kind kennen und untersucht die Sprache genauer. Danach findet die Therapie meist ein- bis zweimal pro Woche statt. Sie als Eltern werden einbezogen und erhalten Ideen für zu Hause.
Kosten
Bei gesetzlich versicherten Kindern übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer verordneten Therapie. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind von der Zuzahlung befreit. Bei privater Versicherung hängt die Erstattung vom Tarif ab. Klären Sie das am besten vorab.
Pipapo bietet keine Diagnostik und keine Therapie an. Unsere Spiele und Materialien können eine Therapie begleiten, wenn das mit der Therapeutin oder dem Therapeuten abgesprochen ist.
Häufige Fragen
Materialien für zu Hause
Wir arbeiten an kostenlosen Materialien zum Ausdrucken. Sobald sie fertig sind, finden Sie sie hier.
Meilensteine auf einen Blick
Die Sprachentwicklung von 0 bis 6 Jahren als Übersicht für den Kühlschrank.Bald verfügbar
Vorlese-Karte
Die wichtigsten Fragen für das dialogische Lesen im Taschenformat.Bald verfügbar
Spielideen für unterwegs
Sprachspiele für Wartezimmer, Auto und Spaziergang, ganz ohne Material.Bald verfügbar
Reime und Fingerspiele
Eine Sammlung zum Mitsprechen, Klatschen und Bewegen.Bald verfügbar
Gemeinsam spielen, gemeinsam sprechen
Entdecken Sie unsere Sprachspiele mit Ihrem Kind. Haben Sie eine Frage zu Pipapo oder eine Idee für uns? Schreiben Sie uns gern. Bitte beachten Sie: Eine persönliche Beratung zur Entwicklung Ihres Kindes können wir nicht anbieten. Dafür ist Ihre Kinderarztpraxis die richtige Adresse.