Für Therapeut*innen
Pipapo in der Praxis
Sprachspiele und Material mit klarem Förderschwerpunkt: von phonologischer Bewusstheit über Wortschatz bis Satzbau. Für die Therapiestunde, als Hausaufgabe in Absprache mit den Eltern oder als motivierender Abschluss.
Welches Spiel passt zu welchem Förderbereich?
Jedes Spiel hat einen sprachlichen Schwerpunkt. Die Übersicht hilft bei der Auswahl. Viele Spiele setzen Lesefähigkeit voraus. Bei jüngeren Kindern spielen Sie gemeinsam und lesen vor.
| Spiel | Förderbereich | Was geübt wird | Ideen für den Einsatz | Voraussetzungen und Grenzen |
|---|---|---|---|---|
| Lautjagd | Phonologische Bewusstheit | Anlaute heraushören und zuordnen | Vorher Ziellaut isoliert und in Silben anbieten; Bilder benennen lassen, bevor gewählt wird | Bild und Audio nötig. Ziellaut wird aktuell aus der Schreibung abgeleitet, bis zur Überarbeitung Items vorab prüfen |
| Reimwelt | Phonologische Bewusstheit | Reime erkennen | Reimpaare laut sprechen, Kind ergänzt eigene Reime oder Quatschreime | Reimgruppen werden fachlich überarbeitet |
| Höre & Sprich | Auditive Merkfähigkeit, Nachsprechen | Sätze steigender Länge hören und nachsprechen | Satzlänge an Merkspanne anpassen; Prosodie und Betonung mit üben | Keine automatische Bewertung der Aussprache verwenden; Bewertung durch die Therapeutin |
| Hör & Tipp | Schriftsprache: Laut-Buchstaben-Zuordnung | Gehörtes Wort schreiben | Silbenweise mitsprechen, Lautgebärden einsetzen; für Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten | Schulkinder; Großschreibung wird in der Überarbeitung korrigiert |
| Wortschatz-Safari | Semantik, Lexikon | Wörter Oberbegriffen zuordnen (Tiere, Fahrzeuge, Obst ...) | Oberbegriffe erarbeiten, Merkmale besprechen („Warum gehört das zu den Tieren?“) | Wörter als Text; mit Bildern auch vor dem Lesealter |
| Wort-Detektiv | Semantik | Kategorien bilden, das unpassende Wort finden | Begründen lassen: „Warum passt das nicht?“ fördert Erklären | Lesen erforderlich |
| Gegenteilwelt | Semantik | Gegensatzpaare (Adjektive, Präpositionen) | Gegensätze mit dem Körper darstellen (groß/klein, oben/unten) | Lesen oder Bilder erforderlich |
| Synonym-Jagd | Semantik, Wortschatzerweiterung | Bedeutungsgleiche Wörter finden | Wortfelder aufbauen (sagen, rufen, flüstern) | Ab Schulalter; Wortliste wird überarbeitet |
| Worträtsel | Wortabruf, Sprachverständnis | Wort anhand einer Beschreibung finden | Umgekehrt spielen: Kind beschreibt, Sie raten | Lesen erforderlich oder vorlesen |
| Tabu | Wortabruf, semantische Merkmale, Erklären | Begriffe umschreiben, ohne bestimmte Wörter zu nutzen | Strategien bei Wortfindungsproblemen üben: Oberbegriff, Funktion, Aussehen | Ab etwa 7 Jahren; gut in Gruppen |
| Lückensatz | Satzverständnis, Lexikon und Grammatik im Kontext | Passendes Wort in einen Satz einsetzen | Falsche Optionen vorlesen lassen: „Klingt das richtig?“ fördert Sprachgefühl | Lesen erforderlich oder vorlesen |
| Artikel-Zoo | Morphologie: Genus | Artikel der, die, das zuordnen | Besonders für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache; Artikel im Satz mit Adjektiv weiterverwenden („der kleine Löwe“) | Isolierte Zuordnung ist nur ein Baustein; Genus wird im Satzkontext erworben |
| Pluralplaneten | Morphologie: Plural | Mehrzahlformen bilden (mit -e, -en, -er, -s, Umlaut) | Pluralmuster gruppieren; Kind bildet Formen erst mündlich | Bildmaterial wichtig für jüngere Kinder |
| Prädikatsuche | Morphologie: Verbflexion | Verbformen zu ich, du, wir (Subjekt-Verb-Kongruenz) | Formen im Rollenspiel anwenden („Ich springe, du springst“) | Lesen erforderlich |
| Satzbaustelle | Syntax | Wörter zu Sätzen ordnen, Verbstellung | Verbzweitstellung sichtbar machen (Verb farbig markieren); Sätze umstellen („Heute spielt der Hund“) | Lesen erforderlich |
| Boggle | Schriftsprache, Wortschatz | Wörter in Buchstabenfeld finden | Eher als Lese- und Rechtschreibspiel, kaum sprachtherapeutisch im engeren Sinn | Schulkinder |
Tipps für den Einsatz
- Ziele vorab festlegen: Wählen Sie Spiel und Schwierigkeitsstufe passend zum aktuellen Therapieziel.
- Gemeinsam statt allein: Den größten Nutzen haben die Spiele, wenn Sie oder die Eltern begleiten, nachfragen und erweitern.
- Zeitdruck reduzieren: Für Kinder mit Wortabruf- oder Verarbeitungsproblemen kann Zeitdruck kontraproduktiv sein.
- Kurz halten: Wenige Minuten am Stück reichen. Danach lieber analog weiterspielen.
- Hausaufgabe in Absprache: Wenn Sie ein Spiel für zu Hause empfehlen, geben Sie den Eltern konkrete Hinweise, wie sie begleiten können.
Neugierig geworden?
Probieren Sie die Spiele selbst aus und schauen Sie, was zu Ihrer Arbeit passt. Über neue Materialien informieren wir, sobald sie verfügbar sind.
Pipapo ersetzt keine Diagnostik und keine Therapieplanung.